Cammer
© Irure ut pariatur adS ea in ut in et. In incididunt sed tempor 2012
Schaumburg
Update - Stand: 20.11.2017
Geschichte
Bischof Georg von Minden und die Grafen Johann und Jobst von Schaumburg - Holstein trafen sich 1556 zur Beilegung von Streitigkeiten mit Ihren Delegationen "hinder pepinghausen in der Kamer " genannt. Es ist die älteste bisher bekannte Nennung des damals noch unbesiedelten Platzes. Am 6. Mai 1562 tauschte Graf Otto von Schaumburg- Holstein Wiesengrundstücke mit dem Mindener Domkapitel, hierbei wurde erstmalig der Cammerhof erwähnt. Der Cammerhof war ein Allodial, das heißt ein Gutshof, wo die Bauern aus der Umgebung ihren Zehnten abzuliefern hatten. Das Land ringsherum nannte man „Die Cammer“ oder „In der Cammer“. Man findet  in den Akten außerdem die Schreibweise „Kommeren“, und 1638 wird der Ort „Cammern“ genannt. Danach setzt sich die „einfache“ Bezeichnung „CAMMER“ durch, zeitweise mit dem Anfangsbuchstaben „K“ geschrieben. Hier erwarben 1567 die ersten Siedler ihr Land, das die Grafen von Schaumburg ihnen zur Verfügung stellten. Die Höfe der „Kolonie“ Cammer entstanden und liegen am Ostufer der Aue, dem Grenzflüsschen zwischen ehemals Preußen und Schaumburg. Später entstanden weitere Hofstätten entlang des Riehe-Baches. Ende des 18. Jahrhunderts wurden auf der Geest – dem Cammer Brinke – neue Siedlerstellen errichtet. Es waren hier meist kleine Hofstätten. Die Männer arbeiteten in der Umgebung als Handwerker, die Frauen und Kinder bestellten das Land. Im 30jährigen Krieg blieb das abseits gelegene Cammer verschont, nur vier Höfe hatten Kontributionen an die Besatzungsmacht in Minden zu zahlen. Nach der Napoleonischen Zeit herrschte große Arbeitslosigkeit. Bald spielte der Heringsfang eine bedeutende Rolle. Für die Männer und Söhne aus Cammer bot dieser Beruf gute Verdienstmöglichkeiten. Zunächst gingen viele landwirtschaftliche Arbeiter nach Holland zum Grasmähen. Dort kamen sie mit der Seefahrt in Berührung und entdeckten bald, dass beim Heringsfang mehr Geld verdient werden konnte. So gab es 1816 in Cammer 31 Heringsfänger, die in Holland den Unterhalt für ihre Familien erwarben. Viele Einwohner der Ortschaft wanderten in den Jahren 1830 bis 1890 in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Sie fanden in Indiana eine neue Heimat. Die Städte Indianapolis und Fort Wayne waren bevorzugte Ziele der Cammer Auswanderer. Eine eigene Schule gab es erst ab 1837. Vorher besuchten die Kinder die Dorfschule in Päpinghausen. Der Schulneubau aus dem Jahre 1913 wird seit der großen Schulreform 1969 als Dorfgemeinschaftshaus mit angebautem Schießstand und Gymnastikraum genutzt. Die Kinder besuchen seitdem die Grundschule in Frille, die weiterführenden Schulen in Lahde und Petershagen. Diese für Cammer nützliche Sonderregelung wurde in einem Landesvertrag zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen 1971 geregelt.   Der zweite Weltkrieg verlief für Cammer recht glimpflich. Beim Angriff auf die Brücke des Mittellandkanals traf zwar am 6. November 1944 eine Bombe ein Haus auf dem heutigen Schanzenkamp. Es gab aber keine Opfer, weil die Familie und die Nachbarn an einer Beerdigung auf dem Friller Friedhof teilnahmen. Bei einem weiteren Angriff auf den Mittellandkanal starben auf dem Gelände der Firma Busch in Minden zwei junge Frauen aus Cammer. Ende Mai 1945 mussten die Cammer Einwohner das Dorf für polnische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter räumen. Sie fanden Unterkunft in den westlich und südlich angrenzenden Dörfern, denn sechs weitere Dörfer nach Norden hin waren ebenfalls besetzt. Erst nach der Währungsreform 1948 kehrten die letzen Einwohner in ihren Ort zurück, und endlich konnte wieder ein normales Leben in der Gemeinde beginnen. Im Jahre 1970 gab man den alten Sportplatz (das Waldstadion) auf und benutzt fortan die neuen Sportanlagen mit den vereinigten Päpinghausern an der Siedlung Busch. 1992 konnte ein neues Feuerwehrgerätehaus dem Dorfgemeinschaftszentrum angefügt werden. Die Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses und die inzwischen entstandenen Anbauten entstanden durch den fleißigen Einsatz vieler Mitbürger. Das von der Dorfjugend organisierte Erntefest ist das größte gesellschaftliche Ereignis des Dorfes und wird an jedem 3. Sonntag im September gefeiert.